Wohnen wie Earl of Cork

Dort, wo einst Tempelritter im Jahr 1210 eine Burg bauten und 500 Jahre später ein imposantes Herrenhaus errichtet wurde, wohnt es sich heute gediegen luxuriös.


VON MICHAEL GRAUL

Man braucht eigentlich nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie es hier vor 800 Jahren wohl zugegangen ist. Die Landschaft, das wird einem schnell klar, wird sich nicht wesentlich verändert haben. Damals haben Tempelritter hier in den Wäldern, unweit der Landstadt Cork, eine erste Trutzburg errichtet, das war im Jahre 1210. Angeführt wurde der Ritterorden von Richard Earl de Clare, genannt Strongbow („Starker Bogen“), einem hierzulande unbekannten, in Britannien und der irischen Insel ungleich bekannteren Adeligen. Er zog im Namen Heinrichs II. von England mit seinen Truppen in den Feldzug nach Ostirland, dort, wo er wenig später dann die massige Burg Castlemartyr errichten ließ. Sie ist Namenspatron für das nahe Dorf. 

In den folgenden Jahrhunderten wechselte das Land in einer gewissen Regelmäßigkeit seine Besitzer, unter ihnen waren einige, man würde heute sagen, Paradiesvögel. Nehmen wir zum Beispiel Sir Walter Raleigh, ein englischer Seefahrer und Entdecker. Er war aber auch als Soldat und Politiker aktiv, verdingte sich als Spion und Dichter – und war ein Günstling der englischen Königin Elisabeth I. Das nütze ihm an Ende wenig, er wurde 1618 in London hingerichtet. Seinen letzten Worte sollen gewesen sein: „Wenn das Herz am rechten Fleck ist, spielt es keine Rolle, wo der Kopf ist“. Sein Kopf jedenfalls war ab. 

Weit weniger spektakulär, aber deutlich einflussreicher war ein anderer Besitzer der Ländereien rund um Castlemartyr: Richard Boyle, der erste Earl of Cork. Er war ein bedeutender Politiker und diente als „Lord Treasure“ (Schatzmeister, heute nennt man das Finanzminister) dem Königreich ­Irland. Dem angemessen ließ er im 17. Jahrhundert ein wahrhaft stattliches Herrenhaus erbauen: das heutige Herzstück des Castlemartyr Resort! 

DUFT VON GESCHICHTE UND MEER

Cork. Zweitgrößte Stadt der Republik Irland (nach der Hauptstadt Dublin), Verwaltungssitz der gleichnamigen Grafschaft – und Heimat des Castlemartyr Resort, eines 5-Sterne-Luxushotels, keine 30 Autominuten vom Corks Stadtkern Richtung Osten entfernt. Hier kann man nicht nur Geschichte atmen (800 Jahre, wir erwähnten es bereits), sondern fast auch schon die salzige Seeluft schnuppern: Zur Küste der Keltischen See braucht es keine zehn Minuten.

Das Castlemartyr Resort ist ein Traum von einem Anwesen. Es liegt zärtlich eingebettet in eine 220 Hektar große, Bilderbuch-Landschaft mit freundlich vor sich hin murmelenden Bächen, ausgedehnten Parklandschaften und einem ruhigen See, umringt von üppiger Flora und Fauna – ein kitschiger Landschaftsmaler könnte es nicht besser mit Öl auf eine Leinwand bringen.

103 Zimmer und Suiten werden im Castlemartyr angeboten, wobei sich elf im ehrwürdigen Herrenhaus befinden, die restlichen in Seitenflügeln, die im Rahmen einer aufwendigen Restaurierung und Renovierung errichtet wurden. In den Betten schläft es sich prächtig, und es ist irgendwie ein rundum gutes Gefühl, so zu nächtigen, wie es einst der Earl of Cork zu tun pflegte – wenngleich die Matratzen heutzutage sicherlich um ein Vielfaches bequemer sein dürften als damals im 17. Jahrhundert. Wenn man dennoch partout nicht in den Schlaf findet, könnte es vermutlich am Blick liegen: Die Suiten des Herrenhauses haben eine wahrlich atemberaubende Aussicht auf den See und den Park – noch mehr „Earl“-Feeling.

Ein Hotel – oder Luxus-Resort – lebt natürlich nicht nur vom Ambiente (hier top) oder von der Ausstattung der Zimmer (hier über jeden Zweifel erhaben), sondern insbesondere vom Angebot der Kulinarik – vom Blick aus dem Fenster ist bekanntlich noch niemand satt geworden.

Drei Restaurants finden sich in dem weitläufigen Areal des Castlemartyr Resort: Im Bell Tower wird irisch-modern aufgetischt, das ganze mit einem gewissen Pfiff. Das Franchini’s, der Name deutet es an, serviert exzellente italienische Küche, und in der Knights Bar geht es elegant, aber nicht stocksteif zu. Die Küche hier: international.

Das man sich in einer solchen Anlage nicht langweilen muss (es sei denn, man gehört zu den nicht wenigen Anhängern der „gepflegten Langeweile“, die, um sie richtig auszuüben, eine gewisse Erfahrung erfordert), ist keine Frage. Empfohlen sind hier besonders die landestypischen Sportaktivitäten wie Bogenschießen, Krocket, Tontaubenschießen oder gar „Hurling“, eine irische Sportart, die zu komplex ist, um sie an dieser Stelle zu erklären. Aber selbstverständlich lässt sich auch Golf spielen (der Castlemartyr Golf Club bietet einen 18-Loch-Platz, designet von Ron Kirby, mit dem dazugehörigen First-Class-Service an) oder schwimmen gehen.

Dazu lädt der auf den Punkt temperierte Innenpool ein. Danach wählt man ein Dampfbad oder besucht die Sauna – es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass ein Haus wie das Castlemartyr Resort einen Spa-Bereich vorhält, der keinerlei Wünsche offen lässt. Hier lebt es sich definitiv nicht mehr wie der Earl, der auf derartige Wellness-
Annehmlichkeiten nach unserem Kenntnisstand keinen Zugriff hatte. 

Ausklingen lässt man solche Tage dann allerdings doch wieder wie der Earl of Cork: Man sitzt am Kamin und blickt ins Feuer. Man nascht ein bisschen Gebäck, vielleicht trinkt man auch ein Tässchen Kaffee. Dann aber lässt man sich einen irischen Whiskey einschenken und weiß: Ja, so wird es der Earl auch gehalten haben nach einem langen Tag. Und dann denkt man an dessen Landsmann, den irischen Schriftsteller James ­Joyce (1882-1941), der dereinst Folgendes formulierte: „Die leichte Musik von Whiskey, der in ein Glas fließt – ein angenehmes Intermezzo“. Die irische Lebensart ist eine beneidenswerte.

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