Der Große Wurf der 60er-Jahre

Ohne Lee Iacocca hätte es den Ford Mustang vielleicht nie gegeben. Iacocca begann seine Karriere bei Ford 1946 als Ingenieur-Praktikant. Aber schon bald bat er um eine Versetzung in den Bereich Vertrieb und Marketing und machte als Assistant Sales Manager im District Philadelphia erstmals von sich reden: Mit seiner „56 for 56“- Kampagne verkaufte er die 56er-Modelle mit einer Anzahlung von 20% und 56 Monatsraten à 56 Dollar. Eine bisher nie da gewesene Verkaufsidee. Schnell ging er seinen Weg im Konzern und nahm Einfluss auf die Modellpolitik. Als Vater des erfolgreichen Ford Mustang setzte er erneut einen Meilenstein. Das Konzept des Autos war denkbar einfach: Es musste vier Sitze haben, einfach zu produzieren sein, über ein sportliches Design verfügen und zu einem Preis von unter 2.500 Dollar verkauft werden können. 

Und es musste rechtzeitig auf den Markt kommen. Das geschah am 17. April 1964 anlässlich der Weltausstellung in New York. Wurden normalerweise neue Modelljahre in den USA im Herbst angekündigt, war der 65er-Mustang fast ein halbes früher verfügbar. Darum werden die ersten Mustangs auch als  „64 ½“ bezeichnet. Dieser Vorsprung war für die Konkurrenz uneinholbar. Von April 1964 bis August 1965 wurden knapp 681.000 Exemplare verkauft. Die Nachfrage war zeitweise so groß, dass Händler die Autos unter den Kunden versteigerten, weil Detroit mit der Produktion nicht nachkam.   

DREI MODELLE IM ERSTEN JAHR 

Zunächst gab es den Mustang als Hardtop Coupé und als Cabriolet. Das 2+2 Fastback Coupé wurde im Herbst 1964 angeboten. Es verfügte über ein Notchback-Design, bei dem das Dach vor dem horizontalen Kofferraum-Deckel endete. Ein echtes Fastback Coupé mit einem in das schräg auslaufende Dach integrierten Kofferraum-Deckel kam 1967 auf den Markt. Dieser Jahrgang war auch der erste mit deutlichem Facelift. Die Kühleröffnung wurde größer, die Profile der Flanken waren stärker geformt und endeten in je zwei Lufteinlassattrappen vor den Hinterrädern. Die Heckschürze bekam eine konkave Form und bei den Fastbacks einen nach oben ausgewölbten Abschluss. Die Autos wirkten  insgesamt bulliger und aggressiver als die Vorgänger.  

Und sie waren deutlich kräftiger. Leistete der stärkste 289 V8 mit 4,7 Litern Hubraum bis 1966 maximal 271 SAE-PS*, brachte es der 390 Big Block von 1967 mit 6,4 Liter Hubraum auf bis zu 320 SAE-PS. 1968 kam der 427 Big Block mit 7 Liter Hubraum und 390 SAE-PS dazu.

S-CODE ALS KRAFTPAKET

Das Fastback-Modell des Ford Mustang wurde übrigens weltweit zum Vorbild für die Sparte des Sportcoupés und Modelle wie Ford Capri, Opel Manta und Toyota Celica. Doch während diese leistungsmäßig deutlich dünner unterwegs waren (Das Capri-Einstiegsmodell 1969 hatte 50 PS), konnten die Amerikaner in Sachen Power nicht genug bekommen. Die Ford-Performance-Modelle mit Buchstaben-Codes kamen diesem Wunsch nach. 1965 gab es zunächst den A-Code 289 V8 mit vier Ventilen pro Zylinder, kurz darauf den berühmten K-Code 289 V8, ebenfalls mit vier Ventilen und 4-fach-Vergaser. 1967 erschien schließlich der S-Code 390 V8 mit vier Ventilen, 4-fach-Vergaser und C6-Automatik als bisher stärkstes ­Performance-Modell. Allein 1967 wurden 28.800 Mustangs mit diesem Kraftpaket ausgeliefert, 1968 und 1969 kamen insgesamt weitere 19.692 dazu.  

DIE PONY-CAR-RENNSERIE

Die sportlichen „Pony Cars“, eine Kategorie, die durch den Ford Mustang begründet wurde, bekam vom Sportscar Club of America sogar eine eigene Rennserie: die „Trans-Am Series“. Von 1966 bis 1972 wurden materialmordende Rennen in zwei Kategorien ausgetragen. In der U2-Klasse (unter 2 Liter Hubraum) fuhren Sportwagen europäischer und japanischer Herkunft. In der 
O2 („over 2 liter“) traten die Boliden mit V8-Motoren an. Im ersten Jahr wurde die Klasse von Ford Mustang gegen Plymouth Barracuda und Dodge Dart dominiert. Mit zunehmendem Wettbewerb in der Pony-Car-Sparte gesellten sich ab 1967 Chevrolet Camaro, Mercury Cougar und Pontiac Firebird, ab 1968 AMC Javelin und ab 1970 schließlich auch Dodge Challenger dazu. Mit dem Ende des Pony-Car-Booms (lediglich die Modelle Mustang, Camaro und Challenger 
werden heute noch produziert) endete 1972 auch die goldene Ära der Trans-Am-Serie.

Das dritte Facelift der ersten Ford-Mustang-­Generation von 1971 hatte mit dem ursprünglichen Modell nicht mehr viel zu tun. Die Autos waren kräftig gewachsen, hatten in der Länge um 20 Zentimeter, in der Breite um 15 Zentimeter und im Gewicht um gut 275 Kilogramm zugelegt. Nie zuvor hatte ein Mustang so viel Fett angesetzt, und nie zuvor hatte er so viel Durst!

FAHREN FAST WIE IM FORD GT 40!

Das Design war dominiert von einer scheinbar endlos langen Nase und einer aggressiven Hauben- und Kühlergrill-Gestaltung. Das Fastback Coupé nannte sich nun „SportsRoof“ und war dem Look des Langstrecken-Boliden Ford GT 40 aus den Mitt-60ern nachempfunden. Besonders diese Karosserieform machte den 71er-Mustang zu einer eindrucksvollen Erscheinung.  So war er trotz der Masse ein cooles Auto, das heute vergleichsweise selten ist. 

Viel Stahl verursacht, logisch, viel Gewicht. Je nach Motorisierung wog das SportsRoof Coupé zwischen 1,3 und 1,5 Tonnen. Zum Vergleich: Der schwerste Ford Capri der ersten Generation 
(1969-73) wog 1.140 Kilogramm. Um diesen ­Koloss ­angemessen in Bewegung zu setzen, brauchte es jede Menge Pferdestärken – davon hatte Ford mit einer umfangreichen Motorenpalette reichlich zu bieten. Richtig auf Touren kam das Pferd mit dem 429 Big Block mit 7 Liter Hubraum und 370 SAE-PS. Mit Automatikgetriebe und einer Übersetzung von 3,25:1 im großen Gang schaffte der 429er Mach I eine Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (96,56 km/h) in nur 6,5 Sekunden, und das trotz einer optionalen Klimaanlage, Servolenkung und anderen Annehmlichkeiten.

Mit sechs angebotenen Modellen versuchte Ford 1971, den Mustang auf Trab zu halten. Trotzdem sanken die Verkaufszahlen unter die 150.000er-Marke. Auch die beiden folgenden Jahre sahen im Ergebnis nicht besser aus. Das Blatt wendete sich erst 1974 mit der Einführung des deutlich geschrumpften und abgespeckten Mustang II. Immerhin: Das Kultauto überlebte die dünnen Jahre. Und mangelnde Ausdauer kann man dem Modell nicht vorhalten: Im August 2018 lief in Flat Rock (Michigan) der zehnmillionste Ford Mustang vom Band. 

     1971 FORD MUSTANG

     MODELL                             GEWICHT (KG)          PREIS          PRODUKTION

     Hardtop Coupe                    1.353                        $ 2.911,-*    65.696

     Fastback Coupe                   1.338                        $ 2.973,-      beide Modelle   

     Boss 351 Fastback Coupe V8 1.488                        $ 4.124,-      zusammen 23.956

     Convertible Coupe               1.407                        $ 3.277,-      6.121

     Grandé Hardtop Coupe        1.363                        $ 3.117,-      17.406

     Mach 1 Fastback Coupe V8  1.461                        $ 3.268,-      36.499                      

     FORD MUSTANG: MODELLPALETTE, PREISE UND VERKAUFSZAHLEN 1969

     MODELL                             BASIS-PREIS              PRODUKTION

     Hardtop Coupé                    $ 2.635,-**                128.458

     Fastback Coupé                   $ 2.635,-                    60.046                 

     Boss 302 Fastback Coupé     $ 3.588,-                    1.934

     Boss 429 Fastback Coupé     $ 4.798,-                    858

     Convertible Coupé               $ 2.849,-                    14.746

     Grandé Hardtop Coupé        $ 2.866,-                    22.182

Mach 1 Fastback Coupé       $ 3.139,-                        72.458

* 1 US-Dollar = 3,36 D-Mark (September 1971), ** 1 US-Dollar = 3,97 D-Mark (September 1969)

Und hier gibt’s die Mustang-Klassiker:

carmania.de

carclassica.de

westsidecars.eu

v8werk.de

habel-restauration.at

chrome-hunters.com

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